Die Grundsteuer B kostet in Bochum 2026 für Wohngrundstücke 715 Prozent des Messbetrags und für alle anderen Grundstücke 1.190 Prozent. Anders als Dortmund und Essen hält Bochum nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen an zwei Hebesätzen fest. Für eine Eigentumswohnung ist das 2026 die günstigere Nachricht. Wer in derselben Anlage einen Stellplatz oder eine Gewerbeeinheit als Teileigentum besitzt, zahlt dafür den hohen Satz, und genau dieser Satz steht vor dem Oberverwaltungsgericht Münster auf dem Prüfstand.
- 1
Zwei Hebesätze: 715 und 1.190 Prozent
Wohngrundstücke zahlen 715 Prozent, Nichtwohngrundstücke 1.190 Prozent, die Grundsteuer A liegt bei 374 Prozent. Bochum hat diese Differenzierung 2025 eingeführt und 2026 beibehalten.
- 2
Teileigentum zählt als Nichtwohngrundstück
Die Eigentumswohnung fällt unter den Wohn-Satz. Ein eigener Tiefgaragenstellplatz oder ein Ladenlokal im Teileigentum fällt unter die 1.190 Prozent. Entscheidend ist die Grundstücksart im Bescheid des Finanzamts.
- 3
Der hohe Satz ist rechtlich offen
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat ihn am 4. Dezember 2025 für nichtig erklärt, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Eine Entscheidung des OVG Münster steht aus (Stand September 2026).
Eine Vorbemerkung: Wir sind selbst Hausverwaltung in Dortmund und betreuen Eigentümergemeinschaften und Vermieter im gesamten Ruhrgebiet, Bochum eingeschlossen. Dieser Artikel stützt sich auf die Angaben der Stadt Bochum und den Gesetzestext. Er ist keine Steuerberatung und ersetzt bei einer strittigen Bewertung nicht den Weg zum Finanzamt oder zur Steuerberatung.
Betrifft mich das?
Betroffen ist jeder, dem ein Grundstück, eine Eigentumswohnung oder ein Teileigentum in Bochum gehört. Welcher der beiden Hebesätze für Sie gilt, hängt nicht von Ihrer Einschätzung ab, sondern von der Grundstücksart, die das Finanzamt festgelegt hat. Sie steht in Ihrem Grundsteuerwertbescheid, den die meisten Eigentümer 2023 erhalten haben.
| Grundstücksart im Bescheid | Gruppe | Hebesatz 2026 |
|---|---|---|
| Einfamilienhaus, Zweifamilienhaus, Mietwohngrundstück, Wohnungseigentum | Wohngrundstück | 715 % |
| Teileigentum, Geschäftsgrundstück, gemischt genutztes Grundstück, sonstiges bebautes oder unbebautes Grundstück | Nichtwohngrundstück | 1.190 % |
Die Zuordnung stammt aus den Antworten der Stadt Bochum zur Grundsteuerreform. Für Eigentümergemeinschaften ist die zweite Zeile die überraschende: Ein Tiefgaragenstellplatz, ein Hobbyraum oder ein Laden, der als eigenes Teileigentum im Grundbuch steht, wird wie ein Gewerbegrundstück besteuert. Ob Ihr Stellplatz eine eigene Einheit ist oder zusammen mit der Wohnung bewertet wurde, zeigt der Bescheid des Finanzamts.
Mieterinnen und Mieter sind indirekt betroffen, weil die Grundsteuer über die Nebenkosten weitergegeben werden darf. Dazu unten mehr. Für Dortmund und Essen gelten eigene Sätze, siehe unsere Artikel zur Grundsteuer in Dortmund und zur Grundsteuer in Essen.
Wie hoch ist die Grundsteuer in Bochum 2026?
Die Stadt Bochum nennt auf ihrer Übersicht der Steuerhebesätze folgende Sätze als aktuell gültig:
| Steuerart | Was darunter fällt | Hebesatz |
|---|---|---|
| Grundsteuer A | Betriebe der Land- und Forstwirtschaft | 374 % |
| Grundsteuer B | Wohngrundstücke | 715 % |
| Grundsteuer B | Nichtwohngrundstücke | 1.190 % |
| Gewerbesteuer (zum Vergleich) | Gewerbebetriebe | 495 % |
Eingeführt hat Bochum die zwei Sätze mit der Grundsteuerreform zum 1. Januar 2025. Der Rat hat das am 19. Dezember 2024 beschlossen, ausdrücklich aufkommensneutral: Die Stadt sollte insgesamt so viel einnehmen wie nach altem Recht (Quelle: Stadt Bochum). Von 2021 bis 2024 galt ein einheitlicher Satz von 645 Prozent. Mit den heutigen Sätzen lässt er sich nicht vergleichen, weil die Finanzämter alle Grundstücke neu bewertet haben und die Messbeträge sich dadurch verändert haben.
Für 2026 hat der Rat die gesplitteten Sätze am 19. März 2026 bestätigt (so der Mieterverein Bochum). Rückwirkend zum Jahresbeginn ist das zulässig: Nach § 25 Abs. 3 Grundsteuergesetz kann eine Gemeinde den Hebesatz bis zum 30. Juni mit Wirkung vom 1. Januar festsetzen.
Warum Bochum trotz des Urteils bei zwei Sätzen bleibt
Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat am 4. Dezember 2025 die Satzungsregelung zum höheren Hebesatz für Nichtwohngrundstücke in Bochum für nichtig erklärt, ebenso in Dortmund, Essen und Gelsenkirchen. Wie das Gericht argumentiert hat, erklären wir im Städtevergleich zur Grundsteuer im Ruhrgebiet. Die Stadt Bochum stellte im Januar klar, dass das Urteil nicht rechtskräftig ist, dass es zu diesem Zeitpunkt keine gültige Satzung für 2026 gab und dass die Grundsteuer 2026 erst nach einem neuen Ratsbeschluss festgesetzt werden kann, dann rückwirkend (Quelle: Stadt Bochum, 7. Januar 2026).
Den Grund für die Differenzierung nennt die Stadt selbst: Bei einem einheitlichen Hebesatz hätte sich der Anteil der Steuerlast „erheblich zulasten der Wohngrundstücke verschoben”. Dortmund und Essen haben nach dem Urteil genau diese Verschiebung in Kauf genommen und für Wohngrundstücke auf 800 beziehungsweise 925 Prozent angehoben. Bochum hat sich anders entschieden und wartet die Berufung ab.
Die liegt beim Oberverwaltungsgericht Münster. Dessen Präsident hat im März angekündigt, das Verfahren noch 2026 entscheiden zu wollen; die Städte haben sich laut t-online gegen den direkten Weg zum Bundesverwaltungsgericht entschieden. Eine Entscheidung des OVG haben wir bis September 2026 nicht gefunden.
Lohnt sich ein Widerspruch?
Das hängt davon ab, was Ihnen gehört. Für Wohnungseigentum richtet sich der Streit nicht gegen Ihren Satz: Die 715 Prozent sind der niedrigere der beiden Sätze, und das Gelsenkirchener Urteil hat die höhere Belastung der Nichtwohngrundstücke beanstandet. Ein Widerspruch gegen den Hebesatz bringt Ihnen deshalb in aller Regel nichts.
Anders bei Teileigentum und anderen Nichtwohngrundstücken. Wer für einen Stellplatz, eine Praxis oder ein Ladenlokal 1.190 Prozent zahlt, sollte einen Widerspruch gegen den städtischen Bescheid prüfen, damit der Bescheid offen bleibt, bis das OVG entschieden hat. Bei kleinen Beträgen wie einem einzelnen Stellplatz ist das eine Abwägung, bei einer Gewerbeeinheit mit höherem Messbetrag lohnt sich der Aufwand eher.
Die Form ist streng. Nach den Hinweisen der Stadt gilt:
- Frist: ein Monat ab Bekanntgabe des Bescheids.
- Form: schriftlich und persönlich unterschrieben. Eine einfache E-Mail ohne Unterschrift reicht nicht.
- Adressat: die Stadt Bochum, wenn es um den Hebesatz geht. Einwände gegen den Grundsteuerwert oder den Messbetrag gehören zum Finanzamt, ebenfalls innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des jeweiligen Bescheids.
Ein Widerspruch schiebt die Zahlung nicht auf. Die Beträge sind zu den Terminen im Bescheid fällig.
Grundbesitzabgaben in der Eigentümergemeinschaft
Bochum bündelt Grundsteuer und Gebühren unter dem Begriff Grundbesitzabgaben. Für eine Eigentümergemeinschaft laufen die beiden Teile aber getrennt, und das führt oft zu Rückfragen.
Die Grundsteuer zahlt jeder Eigentümer für seine eigene Einheit. Das Bewertungsgesetz behandelt jedes Wohnungseigentum und jedes Teileigentum als eigenes Grundstück (§ 244 Abs. 3 Nr. 3 BewG), und Schuldner der Grundsteuer ist, wem diese Einheit zugerechnet ist (§ 10 GrStG).
Die Gebühren für Abfall, Straßenreinigung und Entwässerung setzt die Stadt dagegen je Grundstück fest. Bei einer Eigentümergemeinschaft verlangt sie dafür einen Zustellbevollmächtigten, das kann ein Miteigentümer oder die Hausverwaltung sein; alle Miteigentümer haften nach Angabe der Stadt im Verhältnis ihrer Miteigentumsanteile (Quelle: Stadt Bochum, Grundbesitzabgaben). Diese Gebühren landen deshalb in der Jahresabrechnung der Gemeinschaft. Wie Sie dort prüfen, ob sie richtig verteilt sind, zeigt unsere Anleitung zur Prüfung der Jahresabrechnung.
Die Gebühren sind 2026 leicht gestiegen:
| Gebühr (Jahressumme) | 2025 | 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schmutzwasser, je m³ | 3,41 € | 3,54 € | +3,8 % |
| Niederschlagswasser, je m² Fläche | 1,23 € | 1,28 € | +4,1 % |
| Straßenreinigung wöchentlich, je Meter Frontlänge | 9,54 € | 9,75 € | +2,2 % |
| Restmüll 60 Liter, 14-tägig | 176,40 € | 183,60 € | +4,1 % |
| Restmüll 120 Liter, 14-tägig | 352,80 € | 367,20 € | +4,1 % |
| Biotonne 120 Liter | 60,00 € | 60,00 € | unverändert |
Die Grundbesitzabgaben sind nach Angabe der Stadt vierteljährlich zu zahlen oder auf Antrag einmal jährlich zum 1. Juli; eine monatliche Zahlung bietet Bochum nicht an. Für die Grundsteuer regelt § 28 GrStG die Termine: jeweils ein Viertel am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November. Die Jahreszahlung zum 1. Juli muss bis zum 30. September des Vorjahres beantragt sein. Wer die Grundsteuer 2027 in einem Betrag zahlen will, muss den Antrag also bis zum 30. September 2026 stellen.
Grundsteuer und Mieter: die Umlage über die Nebenkosten
Für vermietete Wohnungen und Häuser ist die Grundsteuer umlagefähig. § 2 Nr. 1 der Betriebskostenverordnung nennt ausdrücklich „die laufenden öffentlichen Lasten des Grundstücks, hierzu gehört namentlich die Grundsteuer”. Die Gebühren für Entwässerung (Nr. 3) sowie für Straßenreinigung und Müllbeseitigung (Nr. 8) sind ebenfalls Betriebskosten. Voraussetzung ist eine wirksame Umlagevereinbarung im Mietvertrag.
Für Bochumer Vermieter ist 2026 ruhiger als für die Nachbarn: Der Wohn-Satz bleibt bei 715 Prozent, eine Nachzahlung wie in Essen droht aus der Grundsteuer allein nicht. Wer allerdings eine Gewerbeeinheit oder Stellplätze im Teileigentum vermietet, gibt den Satz von 1.190 Prozent weiter und sollte bei einem erfolgreichen Widerspruch auch an die Erstattung an den Mieter denken. Worauf es bei der Abrechnung ankommt, übernehmen wir auf Wunsch in der Mietverwaltung.
Häufige Fragen zur Grundsteuer in Bochum
Wie hoch ist der Grundsteuer-Hebesatz in Bochum 2026?
Bochum erhebt die Grundsteuer B weiterhin mit zwei Hebesätzen: 715 Prozent für Wohngrundstücke und 1.190 Prozent für Nichtwohngrundstücke. Für land- und forstwirtschaftliche Betriebe gilt die Grundsteuer A mit 374 Prozent. Die Sätze gelten seit dem 1. Januar 2025; der Rat hat sie nach Angaben des Mietervereins Bochum am 19. März 2026 auch für 2026 beschlossen.
Zahle ich für meine Eigentumswohnung in Bochum 715 oder 1.190 Prozent?
Für eine Eigentumswohnung gilt der Hebesatz für Wohngrundstücke, also 715 Prozent. Maßgeblich ist die Grundstücksart, die das Finanzamt in Ihrem Grundsteuerwertbescheid festgelegt hat. Steht dort Wohnungseigentum, gilt der Wohn-Satz. Steht dort Teileigentum, etwa bei einem eigenen Tiefgaragenstellplatz oder einer Gewerbeeinheit, gilt der Satz für Nichtwohngrundstücke von 1.190 Prozent.
Warum hält Bochum an gesplitteten Hebesätzen fest?
Bei einem einheitlichen Hebesatz hätte sich die Steuerlast nach Angaben der Stadt erheblich zulasten der Wohngrundstücke verschoben. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat die höhere Belastung der Nichtwohngrundstücke am 4. Dezember 2025 zwar für nichtig erklärt, das Urteil ist aber nicht rechtskräftig. Anders als Dortmund und Essen hat Bochum deshalb nicht auf einen einheitlichen Satz umgestellt, sondern wartet die Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster ab.
Sollte ich gegen meinen Grundsteuerbescheid in Bochum Widerspruch einlegen?
Für Wohnungseigentum in aller Regel nicht, denn der Streit betrifft den höheren Satz für Nichtwohngrundstücke. Wer Teileigentum oder ein anderes Nichtwohngrundstück in Bochum besitzt, sollte einen Widerspruch prüfen. Die Frist beträgt einen Monat ab Bekanntgabe, der Widerspruch muss schriftlich und unterschrieben bei der Stadt eingehen; eine einfache E-Mail genügt nicht. Gezahlt werden muss trotzdem.
Wie bekommt eine Eigentümergemeinschaft in Bochum ihre Grundbesitzabgaben?
Die Gebühren für Abfall, Straßenreinigung und Entwässerung setzt die Stadt je Grundstück fest. Bei einer Eigentümergemeinschaft verlangt sie dafür einen Zustellbevollmächtigten, meist die Hausverwaltung. Die Grundsteuer dagegen trägt jeder Eigentümer für seine Wohnung oder sein Teileigentum selbst, weil jede Einheit steuerlich als eigenes Grundstück gilt. Gezahlt wird vierteljährlich oder auf Antrag einmal jährlich zum 1. Juli.
Können Vermieter die Grundsteuer in Bochum auf die Mieter umlegen?
Ja. Die Grundsteuer gehört nach § 2 Nr. 1 der Betriebskostenverordnung zu den laufenden öffentlichen Lasten des Grundstücks und ist damit umlagefähig, wenn der Mietvertrag die Umlage der Betriebskosten vorsieht. Dasselbe gilt für die Entwässerungsgebühren (§ 2 Nr. 3) und die Gebühren für Straßenreinigung und Müllbeseitigung (§ 2 Nr. 8). Für vermietete Wohnungen in Bochum bleibt es 2026 beim Wohn-Hebesatz von 715 Prozent.
Fazit
Bochum geht 2026 einen anderen Weg als Dortmund und Essen: 715 Prozent für Wohngrundstücke, 1.190 Prozent für alles andere, obwohl das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen den hohen Satz für nichtig erklärt hat. Für Wohnungseigentümer ist das im Vergleich mit den beiden Nachbarstädten vorerst die günstigere Lage. Wer in einer Bochumer Eigentümergemeinschaft zusätzlich einen Stellplatz, einen Keller- oder Hobbyraum oder ein Ladenlokal als Teileigentum besitzt, sollte die Grundstücksart im Bescheid des Finanzamts prüfen und bei 1.190 Prozent einen Widerspruch erwägen, solange das OVG Münster nicht entschieden hat.
Wie die Nachbarstädte reagiert haben, zeigt der Städtevergleich zur Grundsteuer 2026. Wenn Sie wissen möchten, ob Grundsteuer und Gebühren in Ihrer Bochumer WEG richtig zugestellt und verteilt werden, schauen wir gerne einmal drüber. Die Erstberatung ist kostenfrei.
Verwalterwechsel mit GEO
Sie wollen den Wechsel nicht selbst durchlaufen? Wir begleiten Eigentümergemeinschaften in Dortmund und im Ruhrgebiet kostenfrei – von der Beratung bis zur vollständigen Übernahme.
Weiterlesen LeistungWEG-Verwaltung in Dortmund
Persönliche Verwaltung von Eigentümergemeinschaften ab drei Einheiten. Transparente Hausgeldabrechnungen, Eigentümerversammlungen vor Ort, klare Kommunikation.
Weiterlesen